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Die Zittauer Fastentücher 1472 - 1573


Das 15 Quadratmeter große Kunstwerk ist das einzige Fastentuch des sogenannten Arma Christi Typs in Deutschland. Weltweit haben sich von ihm nur sechs Tücher erhalten. Seit Ende 2005 wird das Kleine Fastentuch im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster gezeigt.

Einzig im Vergleich zum monumentalen Großen Fastentuch (56 Quadratmeter) ist es „klein" zu nennen. Sein Seltenheitswert übertrifft sogar den des großen Tuches, das dem Feldertyp zugerechnet wird, vom dem es noch 18 vollständig erhaltene Exemplare gibt.

Arma Christi, lat., „Waffen Christi": Bezeichnung für die Passionswerkzeuge, die im Zusammenhang mit den Leiden Christi stehen.

Kreuzigungsszene
Monumental ist die Kreuzigung Christi dargestellt. Maria, Johannes und die kniende Maria Magdalena blicken zu dem Sterbenden auf. Ein schwebender Engel lässt das aus einer Seitenwunde fließende Blut in einen Kelch fließen. Am Himmel streckt Gottvater dem Gekreuzigten seine rechte Hand entgegen. Der Maler nimmt damit das berühmte Motiv in Michelangelos „Erschaffung des Adam" (Sixtinische Kapelle in Rom) auf.

Umrahmt wird das Geschehen von 30 Symbolen (Arma Christi) des Leidensweges Jesu (z. B. Judaskopf, Riemen und Ruten, Dornenkrone, Schweißtuch der Veronika, Nägel, Lanze und Essigschwamm).

Das 4,30 Meter hohe und 3,50 Meter breite Werk wurde von einem unbekannten Meister mit Tempera auf Leinen gemalt (nasse Tüchleinmalerei). In seiner Bildkomposition nahm er Motive der großen Künstler seiner Zeit wie Dürer, Grünewald und Michelangelo auf.

Geschichte
Zum Kleinen Fastentuch überliefert eine alte Chronik nur folgenden Vermerk: Mit ihm habe man in der Fastenzeit den Altar in der Zittauer Johanniskirche verdeckt. „Dieses Tuch ist ao. 1573. gemacht / und nachdem es ao. 1684. zu letzt gehangen , abgeschafft worden."

Vermutlich wurde das Tuch gefertigt, um den neuen, 1572 geweihten Schnitzaltar zu verhüllen. Einen Hinweis auf einen Stifter gibt es nicht.

99 Jahre lang verwendete die Gemeinde das kleine Tuch in St. Johannis gemeinsam mit dem Großen Fastentuch.

In den Bestand des Stadtmuseums übergegangen, wurde das Tuch bis in die 60er des 20. Jahrhunderts dauerhaft, später aus konservatorischen Gründen nur zu besonderen Anlässen, gezeigt.

Restaurierung
Parallel zur Restaurierung des großen Tuches wurde das Kleine Fastentuch 1994 von der Abegg-Stiftung in Riggisberg/Schweiz „als hervorragendes Kunstwerk" unentgeltlich gereinigt.

1995 zeigte die Riggisberger Sonderausstellung „Meisterwerke der Textilkunst" erstmals beide Zittauer Fastentücher der europäischen Öffentlichkeit.

2001 erfolgte in Zittau die textile Konservierung des kleines Tuches durch ein internationales Team unter Leitung von Frau Dr. Mechthild Flury-Lemberg, einer weltweit anerkannten Schweizer Spezialistin für Textilrestaurierung. Mit Farbretuschen im oberen Bildteil, die Mitte 2005 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden vorgenommen wurden, fanden die Restaurierungsarbeiten ihren Abschluss.

Präsentation
Nach dem Vorbild des Großen Fastentuches wurde für das Kleine Fastentuch ein eigenständiger Ausstellungsraum geschaffen. Er entstand im nördlichen Anbau des ehemaligen Zittauer Franziskanerklosters.

Diese Lösung berücksichtigt museale, denkmalpflegerische und konservatorische Ansprüche gleichermaßen. In dem schlichten Raum kommt das Kleine Fastentuch hinter einer 35 Quadratmeter großen hängenden Verglasung zur Geltung.

Begleitet wurde das Projekt von einem internationalen Kuratorium mit 26 Persönlichkeiten aus Deutschland und der Schweiz.

Bedeutung
Von Arma Christi Fastentüchern sind im christlichen Abendland nur sechs Exemplare überliefert, davon als einziges in Deutschland das Kleine Zittauer Fastentuch.

Es gehört zu den frömmigkeits- und kunstgeschichtlich interessantesten unter allen heute noch existierenden Fastentüchern.

Kulturhistorisch bemerkenswert: Als einziges Fastentuch wurde es von einer evangelischen Gemeinde in Auftrag gegeben, obwohl Fastentücher „päpstischer" Brauch waren und von Luther als „Gaukelwerk" bezeichnet wurden. Der fortgesetzte Gebrauch in Zittau spricht für den toleranten Verlauf der Glaubensspaltung in der Oberlausitz.

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